LandFrauen und Politik

Europawahl 2019

„Wir haben die Wahl – und nun?“, so das Motto der Infoveranstaltung der Projektgruppe „Frauen und Politik“ des Kreislandfrauenverbandes Friesland-Wilhelmshaven.

Oliver Schulz (Politikredakteur der Nordwest Zeitung) referierte zur bevorstehenden Europawahl am 26.Mai 2019. Was bedeutet Europa eigentlich für uns. Welche Gewichtung hat meine Stimme?

Alle fünf Jahre sind die Bürger aufgerufen, das Europäische Parlament zu wählen. Bei der Europawahl 1979 gaben europaweit 61,99 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, 2014 gingen nur noch 43,09 Prozent an die Urne.  Warum geht die Wahlbeteiligung zurück? Liegt es an den vielen Vorurteilen gegenüber der Europapolitik? Können wir uns Brüssel überhaupt noch leisten – zu groß, zu teuer? 143 Milliarden Euro verschlingt der EU Haushalt jährlich. Pro EU-Bürger  runter gerechnet sind das 282 Euro.  Manche Vereinskosten sind sehr viel teurer. Vielleicht sind die Kosten angebracht, um alles zu steuern.

Dem gegenüber hat die Europäische Union mit seinen 28 Mitgliedsstaaten eine Menge Vorteile zu bieten. Diese werden zunehmend als selbstverständlich wahrgenommen. Da wäre als erstes der Frieden innerhalb der EU zu nennen –  nicht überall alltäglich. Die Niederlassungsfreiheit, eine einheitliche Währung, wirtschaftliche Stabilität und soziale Sicherheit. Die EU macht sich stark im Bereich der Jugendpolitik. Sie fördert das Bildungs- und Mobilitätsprogramm Erasmus+. Sie beschäftigt sich mit Verbraucher- und Lebensmittelschutz, Spielzeugsicherheit und Flugticketpreise. Die verbesserte Roaming-Verordnung im Ausland ist ebenfalls der EU zuzuschreiben.  Auch die gemeinsame europäische Agrarpolitik, die eben nicht an Staatsgrenzen aufhört und vielen Familienbetrieben zu fairen Bedingungen im starken Wettkampf in der von Globalisierung geprägten Welt verhilft, ist als Pluspunkt der europäischen Politik zu nennen. Sie unterstützt ihre Landwirte finanziell und fördert nachhaltige und umweltfreundliche Verfahren.

Insgesamt bewerben sich in der Bundesrepublik 1380 Kandidaten um die 96 deutschen Parlamentssitze. Allerdings besteht nicht die Möglichkeit, einzelne Bewerber, sondern nur die geschlossene Liste einer Partei zu wählen – auf jeden Wähler entfällt eine Stimme.

„Europa ist wichtig – wir sind wichtig für Europa“ –  die Teilnahme an der Wahl ist eine große Errungenschaft der Demokratie – nutzen wir sie und geben den populistischen Parteien keinen Chance“, so das Schlusswort von Oliver Schulz.


Politische Einflussnahme ist von jeher untrennbar mit der Landfrauenarbeit verbunden.

Frauen bilden die Mehrheit der Gesellschaft. Frauen verhalten sich zukunftsfähiger und zeigen enormes Verantwortungsbewusstsein für ihre Lebensräume.

Aktive Interessensvertretung für den ländlichen Raum heißt auch, sich in kommunalen Entscheidungsgremien einzubringen, politisch Verantwortung zu übernehmen, Bewusstsein für frauenspezifische Aspekte zu schaffen und der Familienpolitik größeres Gewicht zu geben.

Projektgruppe “LandFrauen und Politik”

Mit der Projektgruppe „LandFrauen und Politik“  machen wir es uns zur Aufgabe:

–    kommunalpolitisches Engagement und Interesse zu fördern
–    Lebensqualität im ländlichen Raum zukunftsorientiert weiterzuentwickeln
–    Rahmenbedingungen für einen regen Erfahrungsaustausch zu schaffen

Frauenthemen, für die es lohnt sich einzusetzen, gibt es noch mehr als genug:
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Medizinische Versorgung
Bleibeperspektiven und Infrastruktur im ländlichen Raum
Familienpolitik
Bildung

Zielgruppe
Alle Frauen mit kommunal- und regionalpolitischem Interesse. (über Parteigrenzen hinweg)

Ansprechpartnerin für interessierte Frauen:
Ellen Kromminga-Jabben
u.jabben@t-online.de


“Geballte LandFrauenpower trifft auf Politik“

Unter dem Motto Einmischen, Mitbestimmen und sich positionieren hat der KreislandFrauenverband Friesland-Wilhelmshaven zu einer Diskussionsveranstaltung im Gewölbekeller der OLB in Jever eingeladen.
Ellen Kromminga-Jabben  (Kreisvorsitzende) begrüßte die Gäste mit einem Zitat von Margaret Thatcher „Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, fragen Sie einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, fragen Sie eine Frau.“ Dieser Einladung sind Gitta Connemann (Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)  und Sven Ambrosy (Landrat) gefolgt.  Die neu gegründete Projektgruppe des KreislandFrauenverbandes Friesland-Wilhelmshaven „Frauen und Politik“ diskutierten mit den Anwesenden über die zukünftigen Herausforderungen und Möglichkeiten für den ländlichen Raum. Kernthemen des Abends, welche moderiert wurden von Katharina Guleikoff (Radio Nordseewelle), waren die Ehrenamtspolitik, die medizinische Versorgung, die Kinderbetreuung und die Bildung.


Beim Thema Ehrenamt ist vieles selbstverständlich, doch was wäre die ländliche Region ohne Ehrenamt? Eine Aufwertung bzw. bessere Wertschätzung ist längst überfällig. Um den Anschluss nicht zu verlieren, benötigen wir auf dem Land eine flächendeckende Digitalisierung. „Heute darf nicht mehr die Frage sein, ob jemand ins Netz kommt, sondern wie wir es qualitativ nutzen können“, so Berit Behrends (Kreisvorstand). Sven Ambrosy sicherte den LandFrauen das flächendeckende Breitband in der Region Friesland/Wilhelmshaven bis Ende 2018 zu.
Die medizinische Versorgung ist oft unzureichend. Angefangen von überlasteten Notfallaufnahmen, der schlechten Infrastruktur, dem Aufnahmestopp bei Fachärzten und nicht zuletzt der akute Mangel an Hebammen.  „Wir benötigen dringend eine Verbesserung der Mobilität auf dem Land“,  forderte Christina Harms-Janssen (Kreisdelegierte d. Hebammen). Ferner müssen gute Grundvoraussetzungen für die vermehrte Ansiedlung von Landärzten/innen geschaffen werden.  „Die Vergabe der Medizin Studienplätze  nur an Einser Abiturienten, finde ich stumpfsinnig und gehört abgeschafft“, so Connemann.  Außerdem plädiere sie für eine Landarztquote!
Petra Meyer (Steuerfachangestellte), Janna Reck (Rektorin der Grundschule “Tetta v. Oldersum“) und Annika Grässner-Weber (Erzieherin, Dipl. Pädagogin) machten anhand einer Pyramide die vielen Versorgungslücken in der Kinderbetreuung und Bildungspolitik sichtbar. “ Was brauchen die Familien an Betreuungsangeboten in Zukunft und welche Zeiten sind gefragt?“ so die LandFrauen.  Jana Reck wies eindringlich auf den Personalmangel der Dorfschulen hin. Sie plädiere für einen finanziellen Anreiz zur Stellenbesetzung.  Seitens der Politik bedarf es einer gänzlichen Überarbeitung. „Hier wird die Region Friesland klar Stellung beziehen“, sicherte Ambrosy den LandFrauen zu. Abschließend ermunterte Frau Connemann die LandFrauen auch weiterhin aktiv ihren Lebensraum positiv mitzugestalten. „Schauen sie sich die Situation vor Ort an, seien sie laut und scheuen sich nicht auch weiterhin Verbesserungen einzufordern “, so Connemann.