So nicht, Frau Schulze!

LandFrauen reagieren entsetzt auf das Impulspapier
des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Quelle: Bundesumweltministerium, AdobeStock/scharfsinn86

Jever. Der KreisLandFrauenverband Friesland/Wilhelmshaven reagiert mit heftiger Kritik auf ein Impulspapier aus dem Haus von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Der Ärger richtet sich gegen eine mit dem Titel „Wir schafft Wunder“ in der es unter anderem um das Zukunftsbild der Landwirtschaft im Jahre 2050 geht. Im Landwirtschaftskapitel wird (auf Seite 39) zeichnerisch ein muskelbepackter Bauer gezeigt, der auf dem Trecker sitzt, während die eher einfach dargestellte Frau die Arbeit verrichtet. „Sieht man sich die Zeichnung genauer an, erkennt man schnell, dass sich das Bundesumweltministerium im Jahrhundert vertan haben muss“, sagte Anke Eden-Jürgens (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kreislandfrauenverbandes Friesland-Wilhelmshaven und Landwirtin). Das Ziel des Impulspapiers, explizit auf die „Zukunft der Landwirtschaft 2050“ hinzuweisen, werde damit meilenweit verfehlt, die Publikation sei zutiefst diskriminierend und diffamierend für den gesamten Berufsstand. „Das rückwärts gewandte Rollenbild der Frau sowie die Zukunftsvisionen der Landwirtschaft sind nicht tragbar“, erklärte der KreisLandFrauenverband Friesland/Wilhelmshaven und fordert die unverzügliche Entfernung des Bildes sowie eine Stellungnahme des Bundesumweltministeriums (BMU)
Die LandFrauen verweisen darauf, dass die von Schulze dargestellte Erntemethode – das sogenannte Hocken – aus dem Jahr 1920 stammt. Auch das von der SPD-Politikerin verwendete Frauenbild sollte längst der Vergangenheit angehören. „Ein muskulöser Mann hält fest umschlungen das Steuer seines altertümlichen Traktors in der Hand. Um was zu tun: Entschlossen den Ton oder doch nur die Fahrtrichtung anzugeben – oder beides?“ fragt der Verband, der über den Macho ebenso entsetzt ist wie von der Darstellung der „lieblich anzuschauenden Gefährtin, die barfuß die Heugabel schwingt“.

„Innovationen und Zukunftsbilder sehen anders aus“, kritisieren die LandFrauen und ergänzen: „Frauen in der Landwirtschaft sind ebenso wie die Männer fachlich sehr gut ausgebildet. Modernste Technik gehört genauso zum Alltagsbild wie in jedem anderen Berufsfeld auch.“Mit diesem Bild zeige die Bundesumweltministerin nun aber, „welch verstörendes Bild sie im Allgemeinen von der Landwirtschaft hat“.

Die Expertinnen stoßen sich über die Zeichnung hinaus aber auch am Text des Impulspapiers. „Beim Lesen wird schnell deutlich, dass sich die Landwirtschaft in 2050 mit kleinen Maschinen und alten Pflanzensorten zum Umweltdienstleister entwickelt haben soll und aus dem ländlichen Raum ein Natur- und Erholungsraum für Städter geworden ist“, erklärte Katharina Jensen (Landwirtin). In der Vorstellung des BMU würden offenbar in Zukunft Satelliten die Einhaltung der Umweltauflagen kontrollieren und die Landwirte und Landwirtinnen ihre Arbeit in öffentlichen Daten-Clouds dokumentieren. Die Zukunft seien demnach landwirtschaftliche Genossenschaften und solidarische Landwirtschaftsmodelle im Umland der Städte. „Quo vadis, Frau Schulze? Oder besser: Hatten wir das nicht schon mal?“, so die LandFrauen und stellen gleichzeitig die Frage: „Ist eine Ministerin mit derart sozialistischem Gedankengut geeignet, das Amt der Bundesumweltministerin auszuüben?“

Die Broschüre des Bundesumweltministeriums finden Sie hier zum Download: https://www.bmu.de/publikation/wir-schafft-wunder-fortschritt-sozial-und-oekologisch-gestalten/. Kapitel 2.3 Zukunftsbild 7 „Zukunft für die Landwirtschaft durch Klima-, Umwelt- und Naturschutz schaffen. Die von uns kritisierte Zeichnung findet sich auf Seite 39 unten.

Forderungspapier als PDF-Datei